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ISEA2010 RUHR Concerts | Day of Sound
Daniel Mayer

So 22 August 2010
19–20 Uhr, ICEM Neue Aula

Lokale Orbits, Solo 5 (Violoncello) und Solo 3 (Flöte)
Daniel Mayer (at): Komposition
Nora Krahl (de): Violoncello, Sabine Vogel (de): Flöte

Daniel Mayer über die Werkreihe Lokale Orbits:
In der kompositorischen Arbeit mit Computeralgorithmen ist mir besonders der experimentelle Aspekt wichtig - weder die Umsetzung abstrakter Konzepte noch die Annäherung an vorhergehende klangliche Vorstellungen. Man wird dabei mit Resultaten konfrontiert, an denen man sofort weiterarbeiten möchte, auch gegen die ursprünglichen Überlegungen. Als Konsequenz habe ich mich für eine Vorgangsweise entschieden, bei der ich mich genau auf diese Flexibilität einlassen möchte und die Planung sich auf die experimentellen Rahmenbedingungen beschränkt. In der Reihe Lokale Orbits bilden Instrumentalklänge, Aufnahmen mit den beteiligten Musikern, den Ausgangspunkt. Granularsynthese - genauer: Buffergranulation, die Zusammensetzung von Klängen aus kleinsten Partikeln eines Basisklangs - erlaubt eine riesige Bandbreite klanglicher Ergebnisse, ermöglicht einen graduellen Übergang von (realen) Instrumentalklängen in den elektronischen Raum und bietet sich daher für 'gemischte' Besetzungen an.
Den Kompositionsvorgang so zu strukturieren bedeutet meiner Ansicht nach keinen Verzicht auf historisch-dialektisches Denken. Der Bezug zum historisch Vermittelten ist allgegenwärtig und fordert jeweils individuelle Entscheidungen - ich möchte mir dabei die Freiheit nehmen, bekannte Relationen (z.B. einfache Intervalle und Fortschreitungen) unter mikroskopischen und makroskopischen Veränderungen neu wahrzunehmen.

Daniel Mayer zur Komposition mit Computeralgorithmen:
[...] Für mich steht bei der Verwendung von Algorithmen die fortlaufende Modifikation derselben als Reaktion auf die generierten musikalischen Resultate im Vordergrund. Der eigene Bezug zum Erinnerten geht in die Modifikationen des Ausgangsverfahrens und die Bewertungen seiner Resultate ein. Die dynamische Anpassung eines Algorithmus und nicht seine starre musikalische 'Umsetzung' ist das Paradigma. In ästhetischer Hinsicht sind schließlich, unabhängig vom Komplexitätsgrad, niemals Strukturen, für sich genommen, ausschlaggebend für unsere Wertungen. Entscheidend ist stets, wie neue Strukturen an den erinnerten entlangschrammen. Eben deshalb ist Komplexität, so wie Einfachheit, nicht als bloße Struktureigenschaft interessant, sondern primär im historischen Kontext. [...]
(Auszug Programmtext, Kulturzentrum bei den Minoriten)

Über die Künstler

Daniel Mayer (at)

Daniel Mayer (geb. 1967) absolvierte in Graz Studien der Mathematik und Philosophie an der Karl-Franzens-Universität und der Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst (Klasse Prof. Gerd Kühr), postgradual studierte er 2001 / 02 am elektronischen Studio der Musik-Akademie Basel bei Hanspeter Kyburz. Gastkomponist am ZKM Karlsruhe (2003 / 04) und am IEM Graz (2005). Arbeit mit strukturerzeugenden Computeralgorithmen in elektronischer und instrumentaler Komposition.
Aufführungen u.a. SuperCollider Symposium 2006, Birmingham; ÉuCuE Electroacoustic Concert Series 2008, Montreal; JSEM / MSJ Electroacoustic Festival 2009, Nagoya; Konzerte zum Giga-Hertz-Preis 2007, 2008, ZKM Karlsruhe; Electrovisiones 2009, Mexico City; Nuit bleue 2009, Saline Royale d'Arc et Senans; International Computer Music Conference (ICMC) 2010, New York.
Weitere Informationen:
Daniel Mayer

Sabine Vogel (de)

Geb. in München, lebt seit 2000 in Berlin. Sie studierte Jazz-Querflöte am Bruckner - Konservatorium in Linz (at). Die Flötistin beschäftigt sich intensiv mit modernen Spieltechniken, Klang und Improvisation und hat in den letzten Jahren ein eigenes Vokabular auf ihrem Instrument entwickelt, sowohl akustisch wie auch mit Erweiterung elektronischen Equipments und bestimmter Mikrophonierung.
Neben eigenen Projekten wie TUNAR (mit Merle Ehlers und Dave Bennett) und
PHONO_PHONO (mit Magda Mayas und Michael Renkel) und SCHWIMMER (mit
Michael Thieke, Alessandro Bosetti, Michael Griener) arbeitet sie mit bildenden Künstlern, Schauspielern, Tänzern und verschiedenen zeitgenössischen Komponisten, wie z.B. dem schwedischen Komponisten Malin Bång, Mattias Petersson und dem Japaner Shintaro Imai. Sie ist Mitglied des Anthony Braxton 12tet, das im August 2005 in Antwerpen auf dem Free Music Festival seine Premiere hatte.
Auftritte und Tourneen u.a. in Skandinavien, Italien und den USA.
Zusammenarbeit außerdem mit: Arto Lindsay, Jim Denley, Tony Buck, Chris
Abrahams, Axel Dörner, Andrea Neumann, Jack Wright, Chris Dahlgren, Alex
Nowitz, Schwimmer, Ensemble Zwischentöne, Walter Thompson Orchestra.
Weitere Informationen:
Sabine Vogel

Nora Krahl (de)

Weitere Informationen:
Nora Krahl
Antares Project

Folkwang Universität der Künste, Essen-Werden
Klemensborn 39
45239 Essen-Werden

Eintritt: 4 Sets € 12/8 (ermäßigt), 2 Sets € 8/4 (ermäßigt).
Ticket-Hotline: +49.201.49 03 231 oder per Mail: karten[at]folkwang-uni.de

(c) Daniel Mayer