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ISEA2010 RUHR Exhibitions | Agenten 2.0

Mo 23–So 29 August 2010
10–20 Uhr
Lütge Brückstraße 16, Dortmund

Ausstellung der Hochschule für Gestaltung Offenbach

Während der ISEA2010 betreiben Studierende des Lehrgebietes Elektronische Medien der Hochschule für Gestaltung Offenbach einen Ausstellungsraum als Agentenzentrale in Dortmund. Die KünstlerInnen agieren und intervenieren persönlich und unmittelbar in Livesituationen mit dem Stadtraum. In Agententeams schwärmen sie aus, um verschiedene Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu erforschen und gleichzeitig in dieses einzugreifen. Die dabei applizierten Handlungssysteme ähneln einfachen Programmen, die auf den Stadtraum übertragen werden, sich dort einnisten, ausbreiten und einen interaktiven Handlungsspielraum eröffnen. Sie evozieren selbstlaufende Prozesse. Einer viralen Fortpflanzung gleich infizieren sie die anvisierten Objekte und Subjekte mindestens mit ihrer Botschaft, wenn nicht sogar mit dem Handlungsprinzip selbst.

Up in Smoke - Sandra-Daniela Heinz in Kooperation mit Dominic Vogel

Morsetechniken wurden oftmals im militärischen Bereich verwandt, heute findet man sie nur noch selten in der Seefahrt. „Up in Smoke“ macht das Prinzip des Morsens als Relikt aus vergangener Zeit in neuer Form zugänglich. Den internationalen Grundprinzipien des Morsens entsprechend, übermittelt eine Rauchmorsemaschine mit ephemeren Rauchsequenzen scheinbar verschlüsselt Informationen.

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Schwimmer - Tatjana Matvejeva

Die Bewegung der Wellen in offenem Gewässer wird durch ein schwimmendes Objekt gemessen und ausgewertet. Die Daten werden per Internet an die Zentrale im Ausstellungsraum geschickt und dort in die Intensitäten von Bewegung in einem Wasserglas übersetzt. Die entstehenden Dynamiken werden installativ durch Lichtreflexionen und Klang erfahrbar gemacht.

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Zeitgefühl - Yoonsun Kim

Jeder fühlt seinen eigenen Alltagsrhythmus und hat seinen eigenen Zeitplan. Doch manchmal wird dieser Rhythmus unterbrochen, weil das Leben durch andere Erscheinungen oder Aktionen beeinflusst wird. Dann kann das Zeitgefühl für kurze Zeit verloren gehen. Wenn dieses individuelle Zeitgefühl verloren ist, bringt die gesellschaftlich beherrschte Organisation der Zeit, diese wieder zurück in den Rhythmus. Auf der Straße fragt ein Interviewer Passanten nach ihrem Empfinden einer Minute. Mit einer Stoppuhr prüft der Befrager, die gemachten Angaben und bestimmt die individuell empfundene Minute für den Befragten. Es wird deutlich gemacht, dass dieses Zeitempfinden bereits auf den gesellschaftlichen Einflüssen von Außen beruht.

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Reading - Martin Stiehl

Reading propagiert das bewusste Lesen als einen selbstgenügsamen, eigensinnigen Prozess, der sich einem schnellen und einfachen Konsum verweigert. Agenten durchsuchen hierzu öffentliche Orte und spüren Menschen auf die Bücher lesen. Ihr Lesen wird dabei in eine Performance eingebunden ohne dabei diesem Zweck unterworfen zu sein. Das dazu entwickelte Readingsystem ermittelt den betrachteten Textausschnitt, erkennt das gerade gelesene Wort und gibt es auf einem Belegdrucker im Ausstellungsraum aus. Der Versuchsaufbau hat die Funktion eines Kontrastmittels und stellt den so selbstverständlich und einfach erscheinenden Prozess des Lesens uns seiner Bedeutsamkeit hervor.

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Lokale Codes in die Luft - Shaoweii Jia

Erzeugt einen Stadtplan mit der Identität des Menschseins: Was nicht durch digitale Landkarten recherchierbar ist, wird durch Leere Puppen sichtbar gemacht. Die Puppen als neutrales Wesen wirken als Projektionsfläche für die Phantasie. Auf sie werden indirekte Selbstreflexionen projiziert, und so erhält die Puppe Name, Lebensalter, Herkunft, Geschlecht und Talente. Die entdeckten lokalen Codes werden durch die Projektion ersetzbar gemacht.

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Milky Boat - Tobias Othmar Hermann

Milky Boat ist ein aus physischen und virtuellen Elementen bestehendes Computerspiel. Die Spieler steuern ein physisches Miniaturboot in seiner virtuellen, projizierten Umgebung.
tmmbach.net

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Anonym-Tatjana Matvejeva

Anonym personifiziert den Zustand der Anonymität im urbanen Raum. Die Agenten durchlaufen Anonym, schwarz gekleidet und mit einer Strumpfmaske über dem Gesicht die Stadt, was per Video dokumentiert wird. Die Anonymität ist ephemer und nicht greifbar, auch ihre Erscheinung also wie ein Spuk und so wird sie nur vereinzelt von Passanten wahrgenommen - erst in der dokumentarischen Wiederholung manifestiert sich dieses Bild.

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Checkpoint - Sandra Daniela Heinz

Checkpoint ist ein sprachlich inszeniertes Überwachungsszenario, bei der von einer versteckten Quelle aus, nicht vorhersehbar Sätze in den öffentlichen Raum gesprochen werden. Wie eine imperative Zugansage weist eine Stimme Passanten dazu an, zu unterlassen, was durch das Raster der Überwachung fallen könnte.

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Privat - Hye Joo Jun

Diese Markierungs-Objekte aus transparenter Folie mit der Aufschrift Privat lassen sich in vielfältiger Weise auf den öffentlichen Raum applizieren: auf Sitzbänke, öffentliche Plätze, Treppen und Parkflächen. Während bereits gesetzte Markierungen den Passanten vor die Frage stellen, wie mit diesem behaupteten Privateigentum umzugehen sei, kann gleichzeitig jeder selbst die Initiative ergreifen und sich durch solche Markierungen sein privates Stückchen Stadtraum erobern.

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Kopierfehler - Hye Joo Jun

An einem temporären und an wechselnden Orten der Fußgängerzone aufgestellten Stand können die Passanten Kopierfehler erstellen. Dabei werden Sätze so klein auf transparente Folie gedruckt, dass sie mit bloßem Auge nicht mehr lesbar sind. Diese Sätze klebt man auf die Scanfläche von öffentlich zugänglichen Kopiergeräten. Auf den Kopien erscheint der Satz dann als Kopierfehler, erst mit der Lupe betrachtet gibt er seinen Inhalt preis. So getarnt begibt sich die Botschaften auf die Reise, um auf Dokumente, in Aktenordner und Archive zu wandern.

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Erfahrung - Anne Euler

Die direkte Übersetzung von körperlicher Arbeit in Strom ist immer noch eine seltene Erfahrung und findet bei Anne Euler mit dem Strom statt, der auf einem elektrisch modifizierten Fahrad generiert, beziehungsweise erfahren wird. Die Proportionen von Energieaufwand und -Konsum werden deutlich spürbar, so kann beispielsweise erst nach vier Stunden Fahrt eine Waffel gebacken werden.

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Une Caméra Traditionnelle - Anne Euler

Ein alter VW-Bus wurde zur überdimensionalen mobilen Kamera umfunktioniert. Durch ein kleines Loch in der Außenwand des Busses wird dieser zur Camera Obscura, in der auf großformatigem Fotopapier mit viertelstündiger Belichtungszeit Bilder belichtet werden, auf welchen der Innenraum der Kamera bespielt wird und mit dem Außenraum verschmilzt.

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Ohne Titel - Johanna Kohler

Im Kontext der Agenten zielt die Untersuchung der Eigenkreativität auf einen bewussteren Umgang mit Minik, Gestik und Ausdruck. Passanten werden angeregt vor der Kamera einen performativen Selbstversuch zu unternehmen.

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Alarmanlage - Kyong Min Ko

Die Alarmanlage ist ein mobiles installatives Objekt dass man stellen kann. Sie wird von den Agenten an verschiedenen belebten Orten im öffentlichen Raum aufgebaut, beispielsweise als Alarmschranke an die Absperrpfosten in der Fussgängerzone angebracht. Jeder Passant hat das Potential, einen Alarm auszulösen. Random wird als Zufallsgeschichte benutzt.

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Agenten

Anne Euler, Sandra-Daniela Heinz, Tobias O. Hermann, Shaowei Jia, Hye Joo Jun, Yoonsun Kim, Kyung Min Ko, Johanna Kohler, Myria Nicolaeidou, Tatjana Matvejeva, Anthony Ransome-Jones, Bernardo Schorr, Jessica Sehrt, Martin Stiehl, Dominic Vogel, Sabrina Winter

Unterstützung

Martin Ahrens, Stephan Blanchet, Michael Brühl, Alexander Stefas

Organisation

Prof. Ulrike Gabriel & Martin Stiehl - HfG Offenbach 2010

Sponsoren

satis&fy AG
Medialas Electronics GmbH
IDS Imaging Development Systems GmbH
Copier-Center A&T GmbH
Look Solutions

Agenten 2.0 Ausstellung
Lütge Brückstraße 16
Dortmund

Lageplan Dortmund

Öffnungszeiten:

10–20 Uhr

Eintritt: frei