ISEA 2010 RUHR Ausstellung | Heavy Matter


Eine Ausstellung der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) in Kooperation mit der ISEA2010 RUHR.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die neuen Medien selbstverständlich geworden und die Technologien zur Datenübertragung werden laufend perfektioniert. Die Verheißung von der Digitalisierung und Immaterialisierung der gesamten Lebenswelt scheint erfüllt. Doch wie immateriell sind Daten wirklich? Fallen sie nicht doch ins Gewicht? Und wo bleibt das Subjekt im Datenraum?
In der Ausstellung Heavy Matter wird die Ankunft in der virtuellen Zukunft bezweifelt und das Immaterielle als schwere Materie entlarvt. Die Frage nach dem Zugriff der Medien auf die Wirklichkeit taucht in Form von komplexen Transformationsprozessen, Verkörperungen, Verlautbarungen und Verortungen auf. Wissenschaftliche Erklärungsmodelle werden künstlerisch entwendet, übersinnliche Methoden angewendet und poetische Verfahren entdeckt um die komplexe virtuelle Welt erfahrbar, das heißt, buchstäblich greifbar zu machen.
Heavy does matter: gegenständlich, leibhaftig, finanziell – die Materie agiert als eigenständiger (Stör-) Faktor auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger.
Heavy Matter wurde entwickelt von Lehrenden und Studierenden der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).
Initiiert, geleitet und koordiniert von Prof. Mathias Antlfinger, Dr. Gabriele Gramelsberger, Echo Ho, Prof. Ute Hörner, Dr. des. Anneka Metzger, Lasse Scherffig, Prof. Dr. Georg Trogemann.
Ausstellungsprogramm
Do 19 August 2010, 18 Uhr
Eröffnung
Mo 23 August 2010, 20 Uhr
Performances und Präsentation der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift off topic, des Magazins für mediale Künste der KHM: off topic: beschweren.
Westfalenforum.
Di 24 August 2010, 11 Uhr
Führung durch die Ausstellung
Treffpunkt am Eingang zum Westfalenforum
Mo 23 August 2010, 10–14.30 Uhr
Konferenzpanel Heavy Matter. Rethinking the Role of Material and Medium in the Present
Orchesterzentrum|NRW, Dortmund
Weitere Informationen
Werke in der Ausstellung
Freisetzung
Céline Berger
Installation, 2010
Nach der Insolvenz blicken 23 ehemalige MitarbeiterInnen auf ihre Erfahrungen zurück. Aus einem Turm von Lautsprechern werden ihre Erzählungen gleichzeitig ausgestrahlt. Die Stimmen überlagern sich zu einer komplexen Gesamtkomposition, in der Wellen von Schweigen zirkulieren.
Gefördert von: NUBERT electronic GmbH, Schwäbisch Gmünd, Germany, FOX Ingenieurbüro, Berlin, Germany.
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Jongwon Choi
Installation, 2010
1001111000110100000000 dokumentiert die Performance von Jongwon Choi, in der er versuchte, 30 Tage lang ohne Strom auszukommen. In der Installation wird die Erfahrung, von der digitalen Welt isoliert zu sein, für die AusstellungsbesucherInnen evident.
vomPunktzurLiniezurFlächezumRauminderZeit
Tobias Daemgen
Installation & Performance, 2010
Eine rhizomatische Mixed-Media-Installation für Experimente mit Modalitäten non-linearer Narrationsstrukturen. Eine Untersuchung der Metamorphosen und De-/Re-/Materialisierungen innerhalb intermedialer Übersetzungsprozesse.
diary of a cyberbabe
Anna Gonzalez Suero
Single Channel Video Installation, 2010
Ein experimenteller Machinima, gefilmt im Inneren eines Online-Computer-Sexspiels. Reale Bilder werden über die virtuellen Szenen gelegt, das männlich codierte Sexspiel wird von Phantasien von Mütterlichkeit überlagert. Zutage tritt die Sehnsucht eines weiblichen Avatars, ihre passive Rolle abzulegen und neue Bilder zu erschaffen.
o.T. (Büro)
Akiro Hellgardt
Installation, 2010
Die Installation o.T. (Büro) inszeniert einen artifiziellen Dschungel, der aus einer dichten Ansammlung aus Büropflanzen besteht. Diese wurden von einer nahe gelegenen Firma ausgeliehen. Als Repräsentanten eines hoch organisierten, abstrakten (Arbeits-)Raums stellen die Büropflanzen eine eigenartige Verbindung zwischen Mensch und Natur her.
Yacht Kaiserstuhl
Echo Ho & Lasse Scherffig
Installation/Performance, 2010
Im Sommer 2010 wird in China der Kaiserstuhl zerlegt und verpackt. Dann kehrt er aus Übersee nach Deutschland zurück. Sein Empfang wird mit einer Zeremonie gefeiert, zu der alle eingeladen sind.
Cthonian Cell Observation I (Continuous Pressure Wave for Elevator Car)
Derek Holzer
Sound Performance, 2010
Ein abendfüllendes Konzert für ein Einpersonen-Publikum, das sich auf die Unterwelt-Mythologie der Heavy Metal und Noise Music bezieht. Es findet in der beengten Situation einer Aufzugskabine statt, die von übermächtigem, körperlich erfahrbarem Schalldruck erfüllt ist.
Dream Water Wonderland
Hörner/Antlfinger
Installation, 2010
Seit den Anfängen der Nutzung von Kernenergie in Deutschland sind zwei Orte zum Synonym für das Ende einer Machbarkeitsphantasie geworden – der Schnelle Brüter Kalkar und das Endlager Asse II. „Dream Water Wonderland“ überführt die Hinterlassenschaften der Atomindustrie in einen Traum über Halbwertszeiten.
Karat
Sion Jeong
Installation, 2010
Karat schafft eine künstliche Sphäre für Kristallwachstum. Realisiert wird eine Organismus-ähnliche Kristallform, eine Metapher des Lebens. Diese Kristallisierung erscheint als poetischer Materialisierungsprozess, sie veranlasst zum Phantasieren über das Werden als Spur des Verschwindens.
Augentinte
Sunjha Kim
Interactive Installation, 2010
Eine Schale in Form eines Augapfels füllt sich mit schwarzer Tinte. Ein aufgehängtes Schreibwerkzeug lädt dazu ein, die 'Pupille' anzuzapfen und zu schreiben. Sprachlicher Ausdruck und Schmerzerfahrung bedingen einander.
16 Minds
Theresa Krause
Virtual Performance, 2010
Das Projekt nutzt die Online Plattform Second Life, um echte Menschen als virtuelle Ausstellungsobjekte im Kunstraum zu zeigen. Avatare werden dafür bezahlt, still zu stehen und Fragen zu beantworten, welche von einem Programm gestellt werden.
Untitled (Capsule) | o.T. (Capsule)
Karin Lingnau
Sculpture, 2010
O.T. (Capsule) ist eine Skulptur, angefertigt aus schlichten Materialien, angelehnt an menschliche Proportionen, die Skizze einer Zelle als Einzelnes, vorstellbar als ein Ort des Rückzugs.
A : A'
Ji Hyun Park
Installation, 2010
Eine bewegte Oberfläche aus Latex generiert eine zweite Oberfläche, welche die erste spiegelt. Die Oberfläche erscheint als Trennlinie zwischen dem haptischen Material in der realen Welt und der Materialisierung von Licht in der virtuellen Welt.
I did not choose me
Jun Park
Installation, 2010
I did not choose me ist eine Installation, die mit optischer Täuschung spielt. Zwei Gesichter des Künstlers, als 3D-Objekte ausgeführt, erscheinen immateriell im Raum, sie werden von versteckten Spiegeln reflektiert.
Geisterangeln
So Young Park
Installation, 2010
Am Laacher See in der Vulkaneifel wurden Messungen vorgenommen und in eine Notation transformiert, die eine koreanische Sängerin intoniert (das Geistige der Natur meldet sich zu Wort). In der Ausstellung wird diese akustische Ebene räumlich erfahrbar.
KaiserFreiStuhl
Laura Popplow
Installation, 2010
KaiserFreiStuhl – das sind zwei Stühle und zwei Orte. Die Kokerei Kaiserstuhl und das Westfalenzentrum am Freistuhl zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt – heute ist jeder ein Kaiser und der Stuhl ist frei.
ruhrprotokolle
Martin Rumori
Sound Installation, 2010
ruhrprotokolle verbindet Versatzstücke von Alltagsschilderungen aus dem Ruhrgebiet mit ihrer auditiven Umgebung. Durch Hören über Kopfhörer werden die binaural verarbeiteten Sprachfragmente in die urbane klangliche Realität eingebettet. www.ruhrprotokolle.de
Distance
Miri Shin
Sound Installation, 2010
In Seoul und Köln vermaß die Künstlerin den Abstand zwischen sich und Personen, die ihre Aufmerksamkeit erregten. In der Installation repräsentiert die Länge jeder der aufgespannten Nylonschnüre eine gemessene Distanz.
Happiness Beta
Wonbaek Shin
Sound Installation, 2010
In der reaktiven Soundinstallation werden Alltagsgeräusche aus der unmittelbaren Umgebung des Künstlers in Klänge transformiert. Durch die Töne wird eine aus Glasstäben konstruierte Matrix in Bewegung versetzt und zum Klingen gebracht.
Fungifiction
Tine Tillmann & Laura Popplow
Installation, 2010
Die Installation Fungifiction entwirft eine Ökotopie des Ruhrgebiets als postindustrielle Landschaft. Verseuchte Böden wurden durch wundersame Vitalpilze gereinigt und deren Anbau in großem Stil heilt nicht nur Krankheiten, sondern auch die Gesellschaft, die sie bewirtschaftet.
Weitere Informationen
Westfalen Forum
Kampstraße 37–39
Dortmund
Lageplan Dortmund
Öffnungszeiten:
10–20 Uhr
Eintritt: frei























